Baumschutzsatzung für die Gemarkung Lehrte

  • Veröffentlicht am: 28. Februar 2006 - 7:16

Verwaltung verzeichnet eine Erfolgsquote von fast 99% - allerdings bei den Baumfällungen!

Die Fällung der landschaftsprägenden Eiche an der Straße "Am Sülterberg” am vergangenen Montag hat das Fass zu Überlaufen gebracht, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat der Stadt Lehrte, Ronald Schütz. Das in der Baumschutzsatzung festgelegte Ziel, "Bäume von mehr als 60 cm Stammumfang zu pflegen und zu erhalten” wird nicht beachtet.

Nach eigenen Angabe hat die Verwaltung allein im Jahr 2005 44 Anträge auf 149 Baumfällungen erhalten. Davon hat sie 147 genehmigt, das sind 98,7%. Diese Quote ist mit dem Schutzzweck nicht mehr vereinbar. Der jüngste Fall ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Der laxe Umgang mit der Satzung wirft viele Fragen auf, so Schütz. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens für das Baugebiet "Villa Nordstern” ist u.a. auch die jetzt gefällte Eiche als erhaltenswert im Sinne der Satzung eingestuft worden. Nach dem Verkauf des Grundstücks durch die HRG ist auch ein Antrag auf Fällgenehmigung gestellt worden, der dem neuen Grundeigentümer versagt worden ist. Warum nun der Baum doch fallen musste bleibt im Dunkeln. Die fadenscheinige Begründung, der Baum habe Schäden im Wurzelbereich beim Abriss der alten Gebäude des Kinderheims erlitten, erscheint zweifelhaft. Warum erst ein Gutachten, dass der Baum erhaltenswert sei, wenn er dann seinem Schicksal überlassen wird. Nach der Satzung hätte sehr wohl die Verwaltung eine Anordnung zum Schutz des Baumes erlassen könne, so dass beim Abriss der alten Gebäude keine Schädigungen am Baum hätten entstehen können.

Der § 7 der Baumschutzsatzung sagt dazu: "Die Stadt kann anordnen, dass der Eigentümer oder Nutzungsberechtigte die Durchführung bestimmter Pflege-, Entwicklungs- und Erhaltungsmaßnahmen an geschützten Bäumen deren Durchführung dem Schutzzweck dieser Satzung dient, duldet.” Im Klartext heißt das, dass die Stadt selbst dafür sorgen kann, dass der Baum vor Schädigungen geschützt wird. Das ist zumindest hier nicht geschehen. Warum wurde der Baum nicht ummantelt, warum durfte im unmittelbaren Wurzelbereich gebaggert werden?

Auch eine weitere alte Eiche, ca. 200 m entfernt, steht jetzt ca. ein Meter neben einem Gebäude. Die Rinde ist bereits durch unsachgemäßes Arbeiten in Baumnähe geschädigt. Das musste nicht sein. Ein gleiches Versäumnis haben die alten Eichen entlang der Manskestraße am neuen Stadtpark getroffen. Auch hier sind mehrere Bäume im Bebauungsplan als erhaltenswert eingestuft worden. Nur bei den Bauarbeiten hat darauf niemand Rücksicht genommen, geschweige denn sind die Eichen aktiv geschützt worden. Alle sind gefallen!

Im § 4 sagt die Satzung dazu aus: "Es ist verboten, geschützte Bäume [...]in ihrem Weiterbestand wesentlich zu beinträchtigen.” Dass hier Bauherren, ob private oder die öffentliche Hand, dagegen immer häufiger verstoßen, bleibt in Lehrte ungeahndet.

Die Verwaltung muss die Satzung wieder konsequenter handhaben und durchsetzen, wenn in Lehrte nicht noch mehr alter, gesunder Baumbestand verschwinden soll, der für die hier lebenden Menschen und Tiere doch so wichtig ist.

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